Eine bessere Welt

Nicht, dass ich besonders weise wäre oder mit meinen 27 Jahren vor Lebenserfahrung strotzen würde. Doch in meinem unerschütterlichen Glauben an das Gute will ich hier eine Platform für Gedanken und Anregungen bieten, welche uns allen die kleine Welt um uns herum verschönern soll.

My Photo
Name:
Location: Zürich, Switzerland

Saturday, May 23, 2009

Spuren im Sand

Ich gehe jedes Jahr segeln - nach Holland. Vor ungefähr 4 Jahren, an irgendeinem Abend auf irgendeiner Insel zwischen Isselmeer und Nordsee verbrachten wir die Abendstunden mit einem Strandspaziergang. Wir waren zu dritt. Ispiriert durch die melancholische Formenvielfalt der Spuren im Sand, begannen wir ein Gedicht in den feuchten Meeresboden zu schreiben. Wir beendeten es nie. Monate später vollendeten Erinnerungen an diese Momente und Begegnungen die Arbeit...

http://www.junge-christen-muenchen.de/Bilder/spuren_im_sand2.jpg

Vom Meer erschaffen von Meer verwischt,

Spuren mit und ohne Sinn.

Geformt durch Wellen und deren Gischt,

so sanft ich in Gedanken versunken bin.


Vom Meer gebracht vom Meer genommen,

Muscheln, Algen und andere Schätze.

Endlos weit – sie alle zu mir geschwommen

um einzunehmen hier die letzten Plätze


Vom Meer geboren vom Meer ertränkt,

Leben und Tod unter meinen Füssen.

Ebbe und Flut mich hier gekränkt,

wo Anfang und Ende sich friedlich grüssen.


Vom Meer erschaffen vom Meer verwischt

Gedanken wie diese in meiner Seele

Unverhofft hat's mich erwischt,

leise seufzend ich hier nun stehe.

Wednesday, May 13, 2009

An diesem kühlen Mittemaimorgen war ich früh erwacht. Entweder weil meine Mitbewohner ihren Banddrummer nachhause geholt haben und ich darum keinen Schlaf fand. Oder aus dem simplem Grund, dass ich früh schlafen gegangen war.

Ich sass nun da vor meinem Laptop...

Schon immer hatte es in meinen Fingern gekribbelt der Welt mitzuteilen was um und in mir vorging. Ein Blog! Ein Blog? War das nicht zu „in“ für mich? Selten hatte ich mich in die angesagten und coolen Gepflogenheit der futuristischen Gegenwart gewagt.

Nadann, wieso nicht einen Blog schreiben.

Damals war es ein Leichtes in Peru einen Reiseblog zu pflegen. Jeden Tag neue Eindrücke, täglich neue Erlebnisse. Genug Blogstoff dort!

Aber hier??? Wie konnte ich meinem kleinen Ameisen-Alltag in der Grossstadt Zürich genug Erlebnisse und Weisheiten entziehen um eine Leserschaft zu erhalten... An sich eine spannende Herausforderung, das Banale in den Mittelpunkt zu stellen und darin erzählenswertes zu finden.

„Die Suche nach Farbtupfern in der Grossstadtmonotonie“ nicht schlecht oder???


Kaum hatte ich diesen Satz geschrieben wurde mir klar dass diese Farbtupfer gar nicht zu suchen sind. Man muss sie nur aufheben und festhalten.

So auch gestern:
Ich war bei meiner Grossmutter in Höngg zu Besuch um mit ihr die Witwen-Einsamkeit zu teilen. Wir assen, tranken und sprachen wie so oft viel über die Welt gestern, die Welt heute und was die Welt werden sollte. Bald verabschiedete ich mich um zurück ins Seefeld zu gelangen.
An der Busstation sassen zwei Jugendliche, die vielen Städtern Angst gemacht hätten. Sie hörten laute Musik und mit verdrehter Kappe auf dem Kopf unterhielten sie sich über irgendwas... Ihr östlich angeschlagenes Züridütsch gab den beiden einen Hintergrund, ein Gesicht und letztlich eine Zukunft. Leider würden es die zwei nie weit schaffen...
Im Bus sassen sie gleich hinter mir und so konnte ich endlich mitverfolgen, worüber sie sich unterhielten. Die Rede war von Zukunft, guten Jobs, einer soliden Ausbildung - "susch bisch nachä wie Brüeder vo Puschtim uf Strass..."
Einer hatte die Möglichkeit an die HSO zu gehen, und wollte diesen Weg einschlagen. Der andere legte ihm den Beginn einer Lehre nahe: "Weisch, susch chasch denn ersch mit 18i oder so verdiene...!"
Ok.
Geteilte Gefühle beim Aussteigen aus dem Bus. Ich bin 27 und habe soeben mein Studium abgeschlossen, halte mich über Wasser, warte aber auf DEN Job. Auf der anderen Seite, entriss sich der junge Mann jeglichen latent-rassistischen Klischees und bewies mir einmal mehr, dass es sich lohnt mit einem Lächeln in die Zukunft zu schaun, weisch!











Tuesday, October 17, 2006

Das beruhigende Kreischen

Als Pendler gibt es so manch Geschichten und Erlebnisse, die ich der Nachwelt auf keinen Fall vorenthalten möchte. Aber nicht alle würden zur Idee dieses Blogs passen; darum nur kurz eine kleine Story.

Es gibt im Tag eines Pendlers einen Moment den er ganz besonders verachtet. Den Feierabendmuff. Erschöpft, womöglich verschwitzt und routiniert hat er sitzend doch meistens stehend seinen Platz gefunden. Versucht den Tag revue passieren zu lassen und freut sich über das erlösende Nachhausekommen. Nachbars MP3-Player lässt seinen Kopf dröhnen und zwei Rentnerinnen unterhalten sich euphorisch über... über?... egal, er hört zwar zu, wird jedoch in zwei Minuten alles wieder vergessen haben.
Was in solchen Situationen, selbst den abgebrütesten Vollblut-Pendler um seine shaolinsche Gefasstheit bringt, ist ein schreiendes Kind. Das gnadenlose, rücksichtlose und phantasielose Gekreische eines Kindes trifft den Pendler aggressiv und ohne Vorwarnung. Was nun?
Entweder kann man sich in der Hölle wähnen, die Ohren zuhalten und kopfschüttelnd nach dem Blick der Mutter suchen. Oder man entlockt sich ein kleines Lächeln; ein Schmunzeln über diese grausame unveränderbare Situation zu verlieren lässt urplötzlich das Geteubel zu einer Arie verklingen. Die klanggeplagten Gesichter deiner zahlreichen Gegenüber erscheinen noch belustigender und versetzen dich kurzerhand inmitten einer Grossstadtkomödie.

Genau dies ist mir gestern im 46er passiert. Ich habe gelächelt und mich ob der Einfachheit dieser stresshemmenden Massnahme verwundert. Ich will hierbei aber keineswegs missverstanden werden: es geht nicht darum jeden Missstand zu belächeln und ihn zu verharmlosen. Viel eher will ich zeigen, dass Aufregung und Erzürnung oftmals fehl am Platz sind, vor allem dann, wenn der Umstand unveräderbar ist.
Wozu sich aufregen, wenn man eh nichts dagegen unternehmen kann? Erscheint es nicht vielemal sinnvoller diese Aufregungsenergie in das Anpacken realer Herauforderungen zu investieren? Sollte man das Wort Problem nicht ganz aus dem deutschen Sprachgebrauch verbannen? Und könnte es nicht sein, dass viele unsere Sorgen aus falschgelenkter Aufmerksamkeit resultieren?

Es gibt keine Probleme sondern nur Herausforderungen. Und das ändert alles!

Monday, October 16, 2006

Tägliche Wunder (Teil I)

Vergangene Woche, an einem Mittag wie an jedem anderen auch, kam ich gerade vom Mittagessen mit Kollege Laurenz, als dieser urplötzlich stehenblieb: "Wow, dieses Blatt ist aber gestylt runtergewirbelt..."
Ja es ist Herbst. Aber viel wichtiger noch, ist, dass diese winzige Tragödie uns nicht entgangen ist. Ein sterbendes Blatt unter Millionen, das uns die Ehre macht majestätisch vor uns nierderzuschweben, darf man nicht einfach als Dreck bezeichnen. Nicht, dass es ein speziell schönes Blatt war oder wir durch das Anhalten nicht unter einen Bus gerieten...nein, das Wunder liegt darin, dass dieses luftige Ballett für einige Sekunden unsere Aufmerksamkeit bannte und wir in dieser tänzelnden Einfachheit die Perfektion des Momentes erkannten.
Jeder Tag birgt Wunder.
Wenn diese Banalität erst einmal erkannt wurde, gibt es keinen Grund mehr tagelang trübsal zu blasen; denn egal wo Du Dich befindest, wie Du Dich fühlst oder was Dir angetan wurde...Wunder geschehen. Sie warten nur darauf erkannt zu werden. Es genügt die Augen zu öffnen und der Welt den grauen Alltagsschleier zu entreissen.