An diesem kühlen Mittemaimorgen war ich früh erwacht. Entweder weil meine Mitbewohner ihren Banddrummer nachhause geholt haben und ich darum keinen Schlaf fand. Oder aus dem simplem Grund, dass ich früh schlafen gegangen war.
Ich sass nun da vor meinem Laptop...
Schon immer hatte es in meinen Fingern gekribbelt der Welt mitzuteilen was um und in mir vorging. Ein Blog! Ein Blog? War das nicht zu „in“ für mich? Selten hatte ich mich in die angesagten und coolen Gepflogenheit der futuristischen Gegenwart gewagt.
Nadann, wieso nicht einen Blog schreiben.
Damals war es ein Leichtes in Peru einen Reiseblog zu pflegen. Jeden Tag neue Eindrücke, täglich neue Erlebnisse. Genug Blogstoff dort!
Aber hier??? Wie konnte ich meinem kleinen Ameisen-Alltag in der Grossstadt Zürich genug Erlebnisse und Weisheiten entziehen um eine Leserschaft zu erhalten... An sich eine spannende Herausforderung, das Banale in den Mittelpunkt zu stellen und darin erzählenswertes zu finden.
„Die Suche nach Farbtupfern in der Grossstadtmonotonie“ nicht schlecht oder???
Kaum hatte ich diesen Satz geschrieben wurde mir klar dass diese Farbtupfer gar nicht zu suchen sind. Man muss sie nur aufheben und festhalten.
So auch gestern:
Ich war bei meiner Grossmutter in Höngg zu Besuch um mit ihr die Witwen-Einsamkeit zu teilen. Wir assen, tranken und sprachen wie so oft viel über die Welt gestern, die Welt heute und was die Welt werden sollte. Bald verabschiedete ich mich um zurück ins Seefeld zu gelangen.
An der Busstation sassen zwei Jugendliche, die vielen Städtern Angst gemacht hätten. Sie hörten laute Musik und mit verdrehter Kappe auf dem Kopf unterhielten sie sich über irgendwas... Ihr östlich angeschlagenes Züridütsch gab den beiden einen Hintergrund, ein Gesicht und letztlich eine Zukunft. Leider würden es die zwei nie weit schaffen...
Im Bus sassen sie gleich hinter mir und so konnte ich endlich mitverfolgen, worüber sie sich unterhielten. Die Rede war von Zukunft, guten Jobs, einer soliden Ausbildung - "susch bisch nachä wie Brüeder vo Puschtim uf Strass..."
Einer hatte die Möglichkeit an die HSO zu gehen, und wollte diesen Weg einschlagen. Der andere legte ihm den Beginn einer Lehre nahe: "Weisch, susch chasch denn ersch mit 18i oder so verdiene...!"
Ok.
Geteilte Gefühle beim Aussteigen aus dem Bus. Ich bin 27 und habe soeben mein Studium abgeschlossen, halte mich über Wasser, warte aber auf DEN Job. Auf der anderen Seite, entriss sich der junge Mann jeglichen latent-rassistischen Klischees und bewies mir einmal mehr, dass es sich lohnt mit einem Lächeln in die Zukunft zu schaun, weisch!

0 Comments:
Post a Comment
<< Home